Helmut Kohl ist gestorben

 

isediyani

Altbundeskanzler Helmut Kohl ist tot. Der langjährige CDU – Vorsitzende war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler, länger als jeder seiner Vorgänger. Der Wegbereiter der Europäischen Union wurde 87 Jahre alt.                           

     Altbundeskanzler Helmut Josef Michael Kohl (3. April 1930 – 16. Juni 2017) ist gestorben. Der langjährige CDU – Vorsitzende war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler, länger als jeder seiner Vorgänger. Kohl war mit 16 Jahren Amtszeit der am längsten regierende Kanzler der Bundesrepublik und der erste Kanzler Gesamtdeutschlands. Der Wegbereiter der Europäischen Union wurde 87 Jahre alt.

     Helmut Kohls Vater Hans Kohl (1887 – 1975) war beamteter Steuersekretär, seine Mutter Cäcilie Kohl (1891 – 1979) Hausfrau. 1960 heiratete er die Dolmetscherin Johanna Klara Eleonore “Hannelore” Renner (7. März 1933 – 5. Juli 2001). Das Ehepaar bekam zwei Söhne, Walter (geboren 1963) und Peter (geboren 1965). Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Kohl 2008 Maike Kohl – Richter (geboren 1964). Im selben Jahr stürzte Kohl schwer. Seitdem war er gesundheitlich angeschlagen und saß im Rollstuhl.

     VATER DER DEUTSCHE WIEDERVEREINIGUNG

     Sein größter Erfolg ist die Deutsche Wiedervereinigung; dafür wurde er als “Kanzler der Einheit” gefeiert. Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, Russlands, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.

     Von 1969 bis 1976 war der geborene Ludwigshafener Ministerpräsident von Rheinland – Pfalz, von 1973 bis 1998 CDU – Bundesvorsitzender. Anfang der Neunzigerjahre war Kohl Ziehvater von Angela Dorothea Merkel in Bundesregierung und Partei. Wegen einer Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, forderte Merkel als damalige CDU – Generalsekretärin die Partei zur Loslösung von Kohl auf, das Verhältnis der beiden blieb bis zuletzt belastet.

     Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer hatte er eigenständig und ohne Absprache mit dem Koalitionspartner einen “Zehn – Punkte – Plan” zum Ende der Teilung Deutschlands und Europas vorgelegt. Die Wiedervereinigung hatte seine Position in der CDU gestärkt, 1991 wurde er wiedergewählt.

     Überschattet wurde Kohls politische Karriere von der Spendenaffäre, die seine Partei und ihn selbst etwa ein Jahr nach der Wahlniederlage 1998 in eine Krise stürzte. Kohl weigerte sich, im einberufenen Untersuchungsausschuss die Namen der Geldgeber zu nennen und verwies auf das Ehrenwort, das er den anonymen Spendern gegeben hatte. Damit verhinderte er eine frühzeitige Aufklärung der Affäre.

     Er überwarf sich mit einigen engen Vertrauten innerhalb der Partei, so etwa mit dem heutigen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Auch damalige CDU – Generalsekretärin Angela Merkel ging auf Distanz zu ihm. Schließlich trat Kohl als CDU – Ehrenvorsitzender zurück.

     Angesichts der Euro – Schuldenkrise fürchtete der immer wieder als großer Europäer gefeierte Altkanzler um sein politisches Vermächtnis, sah sich dabei aber auch zu Kritik an der Außenpolitik von Kanzlerin Merkel veranlasst. Die Deutschen müssten wieder “für andere erkennbar deutlich machen, wo wir stehen und wo wir hin wollen”, schrieb Kohl 2011 in einem Zeitungsbeitrag.

      VON GEBURT BIS TOT EIN LUDWIGSHAFENER

     Kohl wohnte in einem Bungalow im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim – sein Zuhause bis zum Schluss. 2001 nahm sich seine Frau Hannelore Kohl, die an einer schmerzhaften Lichtallergie litt, dort das Leben. Sieben Jahre später schloss Kohl seine zweite Ehe mit der 34 Jahre jüngeren Regierungsdirektorin Maike Richter.

     Seit langem plagten ihn gesundheitliche Probleme. Bei einem schweren Sturz im Jahr 2008 hatte er sich ein Schädel – Hirn – Trauma zugezogen. Als Folge konnte der Altkanzler kaum noch sprechen – und absolvierte seine seltenen öffentlichen Auftritte im Rollstuhl.

     Bei seinem ersten Auftritt vor der Unions – Bundestagsfraktion nach zehn Jahren im September 2012 sagte Kohl: “Ich bin zu Hause, wenn ich hierherkomme. Das ist meine innere Bindung.” Und wenig später bedankte er sich bei einem Festakt zum 30. Jahrestag seiner ersten Kanzlerwahl auch bei jenen, die ihn provoziert und herausgefordert hätten. Er sagte: “Es war eine fantastische Zeit.”

     Zuletzt sorgte sein Streit mit seinem ehemaligen Biografen Heribert Schwan über die Veröffentlichung von dessen Buch 2014 für Schlagzeilen. Schwan zitiert darin aus Gesprächen mit Kohl, in denen dieser teils drastisch mit Weggefährten abrechnete. Das Kölner Landgericht gab zwar einer Klage Kohls weitgehend statt und verbot die weitere Verbreitung der Zitate – in der Welt waren sie trotzdem. Im April 2017 sprach das Gericht ihm eine Million Euro Schadenersatz zu.

     “WIR TRAUERN”

     Die CDU Deutschland teilte wenig später auf ihrem offiziellen Twitter – Account mit: “Wir trauern #RIP #HelmutKohl”.

     “Es ist ein wirklich großer Deutscher und vor allem ein großer Europäer gestorben”, teilte Außenminister Sigmar Gabriel mit.

     Auch EU – Kommissionspräsident Jean – Claude Juncker zeigte sich tief betroffen. “Die Nachricht vom Tod des früheren Bundeskanzlers und meines engen Freundes Helmut Kohl hat mich tief getroffen”, erklärte er.

     EU – Ratspräsident Donald Tusk twitterte: “Ich werde mich stets an Helmut Kohl erinnern. Ein Freund und ein Staatsmann, der geholfen hat, Europa wiederzuvereinen.”

     Bundeskanzlerin Angela Merkel erreichte die Nachricht vom Tod ihres Vorgängers während einer Reise nach Rom. Ihr Sprecher Steffen Seibert twitterte: “In tiefer Trauer um einen großen Deutschen und einen großen Europäer.”

     AGENTUREN

     16. JUNI 2017

 

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